Zur Einstimmung auf das grösste Volksfest der Region machen sich acht Schwyzer Persönlichkeiten Gedanken über ihren Bezug zum Motto «Schwyz, natürlich!» und teilen diese in der «Bote»-Serie «Schwyz, natürlich!

«Zur Einstimmung auf das grösste Volksfest der Region»

 

Egal, ob ich aus den Ferien nach Hause komme oder nach der Arbeit sobald am Horizont die Mythen auftauchen, öffnet sich mein Herz. Man könnte sagen, ich bin in Schwyz verwurzelt, wie die Mythen tief in den tektonischen Platten verankert sind. Natürlich gehören zu diesem Heimatgefühl auch die Menschen, meine Familie, Freunde, Gottenkinder, Nachbarn. Meine besten Freundschaften gehen zurück auf den Kindergarten, die Pfadi, den Kinderchor oder das Jugendorchester. Die gemeinsame Geschichte, die Erlebnisse, das viele Lachen ist ein Teil unseres gemeinsamen Aufwachsens, ein wichtiger Teil dieser Wurzeln.

 

Durch meinen Beruf als Historikerin kenne ich natürlich auch die grössere Perspektive. Die Wurzeln der Vorfahren, die uns mich – mitprägen. Die Geschichte von Schwyz fasziniert mich daher sehr! Nicht nur das kollektive Gedächtnis wie die Schlacht am Morgarten oder der Dorfbrand, sondern auch Einzelschicksale, die hier stattgefunden haben und irgendwo noch eine Spur hinterlassen haben. Wie wir heute waren ja unsere Schwyzer Vorfahren auch kleine Puzzleteile einer Gemeinschaft, die zusammen erst ein Ganzes ergeben, die gemeinsam ihre Zukunft bestimmen.

 

Ich bin gerne ein Teil dieser Gemeinschaft, denn wir Schwyzerinnen engagieren uns, wir sind verlässlich, bodenständig, manchmal ausgeflippt, offen für Neues (wenn es uns sinnvoll erscheint), wir sind treu und was mir am meisten gefällt: Wir sind authentisch. Ob wir politisch das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, Ländler oder Klassik hören, Bänkerin oder Bauer sind: Das Einstehen für sich selbst und die eigene Meinung gehören zum Dorf!

 

Was also gibt es Besseres als ein Fest, unser Gmeindsfäscht, welches all diese Werte vereint!

 

Dr. Angela Dettling ist 45 Jahre alt, Historikerin und Leiterin Geschichtsvermittlung und Geschäftsleitungsmitglied von Museum Aargau. Sie ist in Schwyz aufgewachsen bis zum Studium in Zürich und seit sieben Jahren wieder hier wohnhaft.

 

Beitrag im Bote der Urschweiz

 «Seelenfrieden als Zürcher in Schwyz»

 

Anfang des Jahres brachte der Zwingli-Film unseren Reformator neu ins Bewusstsein und auch, dass sein Freund Jakob Kaiser, der die neuen Ideen in Schwyz predigte, hier verbrannt wurde. Eigentlich waren doch damals viele dieser Ideen in der Innerschweiz schon verwirklicht und gelten auch ohne erfolgreiche Reformation bis heute? Drei will ich andeuten:

 

Die von Zwingli und dem Rat der Stadt in Zürich eingeführte «Armenpflege» sehe ich umgesetzt in der funktionierenden Nachbarschaftshilfe. Als Pfarrer in der Stadt erlebte ich professionelle und an Fachstellen delegierte Sozialarbeit; hier ist die Hilfe oft zuerst spontan und freundnachbarschaftlich, ohne grosse Organisation. Weil man sich kennt, hilft man sofort. Es existiert ein natürliches soziales Netz normaler ausgedrückt: Es existieren Nachbarn, und es gibt selbstverständliche Solidarität.

 

Zwingli wollte die Kirche von unten nach oben verstanden und organisiert haben, nicht umgekehrt, nicht hierarchisch. Das entspricht doch genau dem Kirchen-, dem Gemeinde- und dem Staatsverständnis der Schwyzer Bevölkerung. Was im Kleinen und an der Basis entschieden werden kann, brauche ich nicht «oben» zu erfragen. Das urdemokratische Denken hat Zwingli vielleicht vom Toggenburg oder von Einsiedeln mitgebracht oder vielleicht ist es schon damals den Eidgenossen (samt den Zürchern) gemeinsam gewesen.

 

Worte müssen sich in Taten erweisen, schöne Predigten ändern wenig. Auch das ist eine Überzeugung, die in Schwyz wie bei Zwingli verankert ist. Und dieses dritte bildet die Klammer zwischen den ersten beiden Merkmalen. Letztlich geht es ums Authentische, ums Echte: darum, dass Wort und Tat sich decken. Es soll ehrlich gesprochen und gehandelt werden. Da reicht schon ein Handschlag, ohne schriftliche Abmachung.

 

Diese drei Grundhaltungen finde ich als Zürcher in Schwyz. Sie erleichtern mir das Leben in beiden Mentalitäten und verbinden beide Welten. «Wo bist du jetzt eigentlich daheim?», fragt man mich in Zürich. Und ich sage: in Schwyz, natürlich!

 

1951 in Zürich geboren, war Reto Müller von 1982 bis 1994 Religionslehrer und Seelsorger im Kollegi Schwyz und im Lehrerseminar Rickenbach. Von 2006 bis 2018 war er Pfarrer in Schwyz, seit 2018 Aushilfs- und Spitalseelsorger in Schwyz.

 

Beitrag im Bote der Urschweiz

 

«Victorinox ist überall»


«Z Schwyz, z Schwyz, z Schwyz Zwitscheret d Sunnä as Zyt Und wenn si de z Schwyz Nümmä mag g sunnä De schiint si äs bizzäli z Brunnä!»

 

Diesen Spruch rezitierte meine Mutter über die Jahre bis zu ihrem Tod immer wieder. Ich sehe sie noch, wie sie «listig» strahlte, wenn sie uns den Zungenbrecher erneut als Geheimnis servierte. Sie stammte aus dem Muotathal. In meiner Kindheit gab es für mich keine Zweifel, alle «Muätis» mussten aus dem «Muätital» stammen, daher dessen Name! Das Erwachen war ähnlich dramatisch wie die Entlarvung des Osterhasen als «Schoggiplausch» vom Café Haug, des «Samichlaus» als eine Erziehungsmethode, um uns Kindern Angst und Schrecken vor dem Allwissenden einzujagen, der alle unsere Sünden kannte (was heute durch Google und Facebook ersetzt wurde), als Topper entpuppte sich dann auch noch das «Chrischtkindli» als reine Illusion!

 

Als wir erst von Ibach nach Brunnen, und dann später von dort in den Aargau umzogen, trieb das Heimweh unser «Muäti» regelmässig hinauf in den Estrich unseres Hauses. Dort schaute sie sehnsüchtig durch das kleine Guckloch hinaus gegen die Innerschweiz. Sie behauptete, sie sähe von dort bei gutem Föhn die Mythen!

 

Hier in den USA gibt es kein «Muätital», auch keine Mythen, «Gummel» oder «Chräpfli»! Aber Victorinox-Produkte sind überall anzutreffen! Das sind für mich nicht nur Kindheitserinnerungen, sondern Realitäten aus unserer Küche. Da liegt ein ganzes Sortiment der Mythen-Messer gut geschliffen immer bereit zur «Mise en Place». All die Swiss Army Knifes in verschiedenen Grössen und Ausführungen in diversen Schubladen gibt es natürlich ebenfalls.

 

 

Ein direkter Blick von Hollywood nach Schwyz war vor vielen Jahren mein Meinrad-Inglin-Film «Der schwarze Tanner». Dies war mein erster offiziell von der Schweiz als Beitrag für die Oscars ausgewählter Film, es folgten dann noch drei andere! Zwar wurde er nicht ausgezeichnet, aber Spuren hat er hier hinterlassen. Gedreht hatten wir ihn zu einem grossen Teil in der Umgebung von Schwyz, auf dem alten Areal der Victorinox und im «Muätital». Bis heute hat die Familie Elsener viele meiner Filme mit Beiträgen beglückt. Auch mein Oscar-Film «Reise der Hoffnung» ist tief mit Schwyz verbunden! Dafür bin ich allen sehr dankbar.

 

Der Filmregisseur und Drehbuchautor Xavier Koller ist in Ibach geboren. Nach seiner Lehre als Feinmechaniker besuchte er die Schauspielakademie Zürich und arbeitete dann einige Jahre als Schauspieler. Seit 19991 lebt der 75-jährige in Los Angeles. 

 

Beitrag im Bote der Urschweiz